Phytotherapie für Hunde

17. April 2018 | News

1.) Wann gilt eine Pflanze als Heilpflanze?

Alle Pflanzen enthalten eine Vielzahl an Wirkstoffen, genau genommen ist auch eine pflanzliche Nahrung Heilmittel. Jedes Gemüse, jeder Salat, so sie denn natürlich gewachsen sind, enthalten Wirkstoffe, die sich positiv auf den Organismus auswirken. Einige Pflanzen, dazu gehören unter anderem Kräuter, die bei uns wachsen und die mediterranen Kräuter enthalten von bestimmten Wirkstoffgruppen besonders viel. Als Beispiel seien hier die ätherisch Öl-Pflanzen genannt, oder auch die Pflanzen mit Senfölglykosiden. Solche Kräuter werden vor allem als Heilpflanze verwendet. Immer dann, wenn ich einen bestimmten pflanzlichen Wirkstoff zur Heilung oder Behandlung benötige und dann diese Heilpflanze in entsprechender Menge zu mir nehme, behandle ich mich. Dann ist es eine Heilpflanze.  

2.) Was sind mögliche Einsatzgebiete der Phytotherapie?

Die Phytotherapie beschreibt die Behandlung und Prophylaxe von Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen. Das bedeutet, ihr Wirkungsfeld ist sehr breit. Beim Haustier in der Vorbeuge zum Beispiel gegen Infektionen mit allen möglichen Erregern bis hin zur Wundbehandlung und zur Therapie von schwerwiegenden internistischen Erkrankungen. So kennt die klassisch synthetische Medizin kaum bis gar nichts zur Behandlung von Niere oder Leber. Ganz anders die Phytotherapie. Einige pflanzliche Wirkstoffe sind in der Lage, Zellen zur Regeneration zu bringen und das ist heute wissenschaftlich untermauert und in der Humanmedizin Standard. So kann beispielsweise der Wirkkomplex der Mariendistel Lebergewebe heilen und wird in der Humanmedizin bei Zirrhose und Intoxikationen angewendet. Im Bereich Magen, Darm, Leber, Niere und Haut ist die Phytotherapie unschlagbar. Sie kommt als Begleittherapie in Frage oder auch als Monotherapie. Einige schwere Erkrankungen wie Herzerkrankungen oder Endokrinologische Krankheiten lassen sich mit der Phytotherapie besonders gut begleitend behandeln. Im Zeitalter der Resistenzen gegen Bakterien und Parasiten treten pflanzliche Wirkstoffe wieder in der Medizin in den Vordergrund. Es ist wichtig, zu erkennen, dass die Phytotherapie nicht nur eine Alternative ist, sondern oftmals Mittel der Wahl und unabdingbar in Begleitung zu manch einem Krankheitsbild.  

3.) Welche positiven Wirkungen haben Heilkräuter?

Bei der Behandlung mit Phytopharmaka werden pharmakologische Wirkstoffe eingesetzt. Diese wirken genauso wie synthetische Präparate. Heute sind sie in ihrer Wirkung geprüft und getestet, standardisiert. Ihre Wirkungen können im pharmakologischen Modell gezeigt werden und sind sehr stark. Jede Wirkstoffgruppe wirkt sich anders im Organismus aus. Bitterstoffe tonisieren, regen die Verdauung und die Drüsen an. Gerbstoffe wirken adstringierend und werden so in der Hauttherapie und bei Darmbeschwerden angewendet. Ätherische Öle wirken unter anderem stark antibiotisch. Senfölglykoside sind sehr potente Phytobiotika. Die Liste ist unermesslich groß und das würde hier zu weit führen. Wichtig ist, dass trotz einer guten pharmakologischen Wirkung das Nebewirkungspotential bei Pflanzenwirkstoffen sehr niedrig ist und die therapeutische Breite sehr groß.  

4.) Ab welchem Alter sollte man die Nahrungsergänzer füttern?

Pflanzliche Wirkstoffe als Therapeutika können schon im Welpenalter eingesetzt werden. Allerdings immer unter strenger Indikation und als Behandlung. Pflanzliche Wirkstoffe sind für Jungtiere genauso geeignet wie für alte Tiere und geschwächte Patienten. Wichtig ist allerdings, dass solche Produkte als das angesehen werden was sie sind – Therapeutika. Diese sollen und dürfen bei Bedarf angewendet werden, zur Gesunderhaltung und zur Behandlung.  

5.) Was sollte man bei der Fütterung beachten?

Nahrungsberater sind heute sehr gefragt, es wird ein - zum Teil unverhältnismäßiger – Aufwand betrieben. Generell gilt, wenn das Tier gesund ist, so naturnah wie möglich füttern. Abwechslungsreich und nah angelehnt an das natürliche und artgemäße Fressverhalten des Tieres. Nur kranke Tiere brauchen spezielle Diäten. In Bezug auf Heilpflanzen sei aber eines gesagt. Diese gehören nicht in die normale, tägliche Futterration. Zumindest nicht auf Dauer. In Form einer Kur ist das in Ordnung, allerdings sind heute einige Unarten entstanden, die zu Problemen führen können. So braucht zum Beispiel ein gesundes Tier nicht ständig Heilpflanzen im Futter, die das Immunsystem modulieren, das kann schlimmstenfalls nach hinten losgehen und das Immunsystem kann unterdrückt werden oder verrückt spielen. Dann können Allergien und Autoimmunerkrankungen entstehen.  

6.) Können Heilpflanzen die Schulmedizin ersetzen? Ist Phytotherapie zur Unterstützung der klassischen Schulmedizin geeignet?

Phytotherapie ist Schulmedizin! Sie basiert auf Chemie, Pharmakologie und Pharmazie. Das ist etwas, was in einer Schule gelernt werden sollte. Dazu braucht es viel Fachwissen. Phytotherapie ist Schulmedizin und wird in dieser eingeteilt in der Naturheilkunde. Die Naturheilkunde ist ein anerkannter Bereich der sich mit der Behandlung durch Stoffe und Aktionen die in der Natur vorkommen auseinander setzt. Dazu gehören Heilpflanzen, Bewegung, Ernährung, Kälte und Wärme-Therapie und die Wassertherapie. Was vielmehr unterschieden werden sollte ist die synthetische von der natürlichen Medizin. In der Phytotherapie kommen die Wirkstoffe in ihrer ursprünglichen Form zum Einsatz. Nicht deren synthetisch hergestellte Derivate. Phytotherapie ist somit Basis aller Medizin. Sie sollte auch so gesehen werden und dann, wenn sie an Grenzen kommt, kann und muss die synthetische Medizin greifen. Es gibt Krankheiten und Fälle, da müssen die standardisierten synthetischen Monosubstanzen angewendet werden. Phytotherapie unterstützt, begleitet und bereichert die klassisch synthetische Schulmedizin.  

7.) Macht der Einsatz der Phytotherapie auch Sinn zur Prophylaxe?

Unbedingt! Prophylaktisch zum Beispiel zur Parasitenkontrolle. Zur Behandlung des Immunsystems bei immer wiederkehrenden Infekten. Zur Hautpflege und bei vielen weiteren Gesundheitsthemen.  

8.) Welche Kräuter sollte man einem gesunden Hund füttern?

Hier gilt ähnliches wie für Menschen. Gesunde verdauungsfördernde Kräuter, vitaminreiche Kräuter und stoffwechselanregende Kräuter können immer auch kurweise mit gefüttert werden. Kein gesunder Mensch käme aber auf die Idee Heilkräuter immer und ständig zu sich zu nehmen. Die gut verträglichen so genannten Mite-Drogen, bedeutet sanfte Pflanzen, können dem Hund immer mal wieder zur Gesunderhaltung oder zur Parasitenabwehr gefüttert werden.  

9.) Wie oft sollten Ergänzer gefüttert werden?

Das kommt auf deren Mischung an und auf die enthaltenen Pflanzen. Sanfte Stoffwechselanreger können kurweise im Frühling und im Herbst gefüttert werden. Heilkräuter als Ergänzer braucht ein gesunder Hund aber nicht ununterbrochen.  

10.) In welcher Form kann Phytotherapie verabreicht werde?

In jeglicher Form. Frische Pflanze im Mixer zu einem Grüntrunk gemixt. Frischpflanzenpresssäfte aus dem Reformhaus. Getrocknete Pflanzen, als Teeaufguss oder einfach gemörsert ins Futter. Bei Therapie in Form von Tinkturen, Tabletten, Kapseln, Zäpfchen, Salben, Cremes, Bäder, Wickel.....es gibt keine Grenzen. Alles das, was wir beim Menschen auch anwenden.  

11.) Wie bald sieht man den Erfolg? Ist sie auch für Notfälle geeignet?

Das kommt auf die Vorgeschichte an. Ein chronisch kranker Darm, der seit Jahren vorbehandelt ist, braucht Zeit zur Regeneration. Mit pflanzlichen Wirkstoffen können Selbstheilungskräfte angeregt werden, das braucht immer Zeit. Phytotherapeutika wirken aber auch akut und es gibt durchaus Notfälle, in denen ausgewählte Pflanzenwirkstoffe sehr schnell und drastisch wirken können. Diese werden dann gezielt vom Phytotherapeuten angewendet.  

12.) Kann Phytotherapie ein Problem bei Allergikern darstellen?

Jeder körperfremde Stoff kann zu Allergien führen. Phytotherapeutika führen nicht mehr oder weniger zu Allergien wie synthetische Medikamente oder Nahrungsbestandteile.