Ist billig gut für den Hund?

28. Februar 2015 | Tierärztin Hanna Stephan

Fünf Discount-Sorten erhalten im groß angelegten Hundefutter Test die Wertung „sehr gut“. Geht man nach Stiftung Warentest muss ein gutes, gesundes Hundefutter demnach nicht teuer sein. Doch wieso sollen für Hunde und ihre Ernährung so andere Standards als für uns gelten? Ist es nicht einleuchtend, dass eine hohe Qualität der Zutaten, die Frische der Rohstoffe und die Naturbelassenheit der Zusätze mit nachvollziehbarer Herkunft ihren Preis haben müssen. Hohe Qualität zu Fast Food Preisen- erstaunlich wie wir finden!

Ist billig gut für den Hund?
Hochwertige Sachen kosten Geld- das ist bei unserem Essen so, bei frischen Zutaten in hoher Qualität und bei allem, was wirklich gut ist. Warum sollte es bei Futter für den Hund anders sein? Wie kann der steigende Fleischpreis auf den Großmärkten die Näpfe unserer Vierbeiner quasi unberührt lassen und es weiterhin  möglich machen seinen Hund für ein paar Cent am Tag zu ernähren? Geht es nach dem Testergebnis, so können Hundebesitzer heutzutage nicht nur kräftig sparen, sondern dabei ihrem Vierbeiner auch noch die beste Ernährung bieten.
Wirft man einen Blick auf die Zutatenliste der günstigeren Menüs geht einem jedoch schnell ein Licht auf: statt hochwertigem Muskelfleisch als Hauptzutat verwenden diese Anbieter in der Regel „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ , sowie pflanzliche Nebenerzeugnisse und zudem in vielen Fällen einen wilden Mix an Proteinquellen mit meist 4 oder mehr Fleischsorten wie z.B. Schwein, Rind, Huhn, Pute, Schaf oder Rothirsch. Hinter dem Wort „tierische Nebenerzeugnisse“ verbirgt sich in den überwiegend das sogenannte K3 Material, das den Schlachtabfall bezeichnet, der nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Hierzu zählen unter anderem Klauen/Hufe, Feder, Hörner, Blut, Drüsensekrete, Hormone aus Fruchtblasen, Tiermehle, Knochen und Knorpelabschnitte. Auch Blut, Därme und sogar Urin fallen unter die Bezeichnung Nebenprodukte.
Was sich unappetitlich anhört, ist auch genau das. Und es ist noch etwas: eine extrem günstige Proteinquelle!
Getreide als günstiger Proteinlieferant
Der Hund ist kein Pferd! Was sich logisch anhört, wird in der Futtermittelindustrie in vielen Fällen großzügig übersehen.
Angeregt wird die Produktion der Verdauungssäfte beim Hund ausschließlich durch Fleisch, was sehr wichtig für das Verständnis einer artgerechten Ernährung ist. Im Verhältnis zur Körperlänge ist der Darm des Hundes beinahe siebenmal so lang. Dies erscheint beeindruckend, ist aber nichts im Vergleich zur Darmlänge eines Pflanzenfressers, die mehr als das Doppelte beträgt. Der Fleischfresser ist von seiner ganzen Anatomie bereits nicht auf die langwierige Aufspaltung und die Verwertung von hohen Mengen Getreide eingestellt.
Billiges Füllmaterial, wie minderwertiges Getreide, lässt den Proteinwert auf dem Etikett jedoch nach oben schnellen und gaukelt dem Verbraucher ein hochwertiges, nahrhaftes Futter vor. Die pflanzliche Zutaten verdrängen das aus dem Futter, was der Hund am allermeisten braucht - und was am meisten kostet: Fleisch und Innereien.
Die günstigen Fleischmehle und Getreidemengen haben weder einen Nährwert für den Hund, noch bieten sie einen leckeren Geschmack. Für eine bessere Würze und ein appetitliches Aroma muss deswegen tief in die Trickkiste gegriffen werden, um dem Hund zum Fressen der getreidelastigen Kreationen zu bewegen. Mischungen mit Geschmacksverstärkern, Aromastoffen und Zusatzstoffen gehören aus diesem Grund beinahe schon „zum guten Ton“  und Standard auf dem Hundefuttermarkt. 2003 wurden allein in Deutschland Futterzusatzstoffe für mehr als 250 Millionen Euro verkauft.
Doch wie kann ein Test, der auf der Suche nach dem besten Hundefutter ist, solche wesentlichen Kriterien außen vor lassen? Sollte es hier nicht in erster Linie um das Wohl des Hundes gehen und demnach die Qualität der Rohstoffe und ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis für den entsprechenden Standard positiv bewertet werden. Muskelfleisch und Rohstoffe in Lebensmittelqualität sind nicht zu Schnäppchenpreisen zu bekommen. In unseren Augen entsteht hier ein verzerrtes Bild, das gerade unerfahrene Hundebesitzer auf einen falschen Pfad und unter Umständen immer weiter weg von einer artgerechten, gesunden und hochwertigen Ernährung des Hundes führen kann.
Wer die Verantwortung für ein Tier übernimmt, sollte das in allen Bereichen tun und nicht beim Napf anfangen zu sparen. Gutes muss seinen Preis haben. Eine gesunde Ernährung liefert die Basis für ein gesundes Leben ihres Hundes, fern von Zivilisationserkrankungen wie Diabetes, Übergewicht und Futtermittelallergien. Und so wird letztendlich doch gespart- nämlich in der Tierarztpraxis.