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2.08.18

Sommer, Sonne, Hitze

….der Jahrhundertsommer hat uns fest im Griff und während wir schwitzen, stellt sich für viele pelzige Hunde die Frage: hippe Kurzhaarfrisur oder legere Langfellfrisur? Und wenn Hunde nicht schwitzen können – wie kühlt sich ihr Organismus an heißen Tagen eigentlich selbstständig herunter?
Für heiße Zeiten hat die Natur beim Hund Gott sei Dank gut vorgesorgt. Das dünnere Sommerfell sorgt dafür, dass ausreichend Luft an die Haut kommt. Wird das Hundehaar jedoch zugunsten einer neuen Sommerfrisur künstlich gestutzt, so wirft das erst die natürliche Wärmeregulation der Natur durcheinander, welche beim Hund anders als beim Menschen arbeitet.

Schwitzen auf Hundeart
Hunde besitzen nur sehr weniger Schweißdrüsen, von denen sich die meisten unter den Pfoten befinden. Diese dienen jedoch nicht zur Kühlung, sondern als Duftmarkierer, um den zurückgelegten Weg für die anderen Gefährten zu markieren. Ein Hund schwitzt aus diesem Grund über das Hecheln und seine Zunge- und nicht über seine Haut. Er atmet durch die Nase ein, wobei ein Luftzug entsteht und Feuchtigkeit verdunstet. Diese Verdunstung hält die Körpertemperatur des Hundes konstant. Vermehrtes Hecheln im Sommer ist somit kein Grund zur Sorge- der Vierbeiner „schwitzt“ in diesem Moment und hat seine „interne Klimaanlage“ angeschmissen- und diese natürliche Kühlungsmaßnahme ist hör- und sehbar.
Ausgestrecktes Liegen, das Aufsuchen von Schattenplätzen und vermehrtes Trinken unterstützt die natürliche Abkühlung weiter.
Wenn Kühlsystem und externe Kühlung nicht ausreichen, beginnt die Körpertemperatur anzusteigen und es kann zur sogenannten Hyperthermie kommen. Klassisches Beispiel hierfür ist ein Hund im geschlossenen Auto, indem es bereits nach wenigen Minuten zu Temperaturen über 50 Grad kommen kann. Besonders gefährdet für eine Überhitzung sind dabei vor allem kurz-nasige und sehr große Hunde.

Hitzschlag beim Hund
Übersteigt die Körpertemperatur eine Höhe von 41 Grad und mehr kommt es zu gesundheitlichen Folgen, die als Hitzschlag bezeichnet werden. Starkes Hecheln, Speicheln, blasse Schleimhäute, Atemnot sowie Schwächeln und Taumeln sind klassische Anzeichen für eine Überhitzung. Zu einem Hitzschlag des Hundeskann es auch bei starker Aktivität oder übermäßiger Aufregung während hoher Außentemperaturen kommen. Da die Hautdurchblutung in diesem Fall zugunsten der Muskeldurchblutung eingeschränkt wird, steigt die Körperinnentemperatur beständig an, so dass es zur Überhitzung kommen kann. Ein Beispiel hierfür sind Jagdhunde bei der Arbeit im Sommer oder Vierbeiner die ihr Herrchen in Mittagshitze auf die Joggingtour begleiten, aber auch sehr nervöse Hunde auf langen Autofahrten, die unter Reiseaufregung leiden.
Richtig Runterkühlen
Die erste Maßnahme bei Symptomen einer Überhitzung ist die sofortige Kühlung des Tiers mit nassen Tüchern oder ein Abduschen mit kühlem Wasser. Wichtig ist es kein eiskaltes Wasser zu verwenden, da sonst die Blutgefäße sich zu stark zusammenziehen. Durch eine solche Kontraktion wird die Wärmeabgabe über die Haut verlangsamt, so dass der gegenteilige Effekt erreicht wird- Verschlimmerung statt Linderung und Schock statt Abkühlung. Häufig geht Überhitzung auch mit einer Dehydrierung einher, so dass dem Hund ausreichend Wasser angeboten werden muss oder er sogar eine Infusion durch den Tierarzt benötigt. Wichtig zu wissen ist, dass fiebersenkende Medikamente bei einem Hitzschlag komplett wirkungslos sind.

Der Natur ihr Fell lassen
Der Umstand, dass der Hund nicht über die Haut und seine Körperoberfläche schwitzt, ist eine Besonderheit seiner Thermoregulation und muss bei der Frisuren-Wahl dringend beachtet werden. Hunde, die ein zweischichtiges Fell besitzen, wie z.B. Golden Retriever, Leonberger, Möpse, Labradore, Schäferhunde oder auch Huskies, sollten niemals komplett geschoren werden. Grund für das Scherverbot sind ihre zwei aufeinander folgenden Fellschichten: die Unterwolle und das Deckhaar. Eine solcher Aufbau des Fells wird im Fachbegriff als „double coated“ bezeichnet. Das Deckhaar hat dabei die Aufgabe vor äußeren Einflüssen wie Sonne, Wind, Regen, Kälte oder auch Parasiten zu schützen, während die Unterwolle die zweite Isolierschicht und damit quasi die „lange Unterwäsche“ darstellt. Die wollige Isolierschicht sitzt direkt an der Haut und muss regelmäßig ausgebürstet werden, damit sie nicht zu dicht wird, denn zu prägnante Unterwolle mit fehlender Möglichkeit zur Luftzirkulation kann tatsächlich zu einem Wärmestau des Hundes führen.
Wird den „Doppel-Pelz-Trägern“ jedoch regelmäßig das Fell extrem gekürzt, so verliert der Hund sein schützendes Deckhaar. Die dicke Unterwolle „überlebt“ jedoch die Rasur, was zur fatalen Folge hat, dass die Wolle verstärkt sprießt und noch schneller verfilzt. Der Hund hat durch die Aktivierung der Unterwolle jetzt noch weniger Kühlung, als vor dem Friseurbesuch. Parasiten, Wind, Wasser und Sonne haben zudem ohne den Schutz des Deckenhaars ungebremsten Einlass direkt auf die Hundehaut- eine fatale Situation. Das Auftreten von Sonnenbrand, Mückenstichen und Zeckenbissen ist dabei die logische Konsequenz. Viel effektiver als die Schur ist deswegen das Ausbürsten der Unterwolle.

Sommerschur für alte, kranke und besonders gezüchtete Hunde
Wie bei allen Regeln gibt es jedoch auch für die tierische Sommerfrisur Ausnahmen. Für manche Hunde und spezielle Rassen ist es hilfreich, wenn der Pelz etwas gestutzt wird. Hierzu zählen beispielsweise Hunde, die mit einem immer längeren Fell gezüchtet werden, wie unter anderem Bobtails. Hier wurde durch Zucht derart in die Natur eingegriffen, dass der Sommerpelz nicht mehr zu heißen Temperaturen passt. Auch für kranke Vierbeiner, die beispielsweise unter Kreislaufproblemen oder Stoffwechselproblemen mit fehlerhaftem Fellwuchs leiden, kann das lange Fell eine zusätzliche Belastung sein. Hier kann ein regelmäßiges Fellkürzen deswegen sinnvoll sein. Ein weiteres Beispiel für einen sinnvollen Friseur-Besuch sind vierbeinige Senioren oder Tiere, bei denen der natürliche Fellwechsel ausbleibt. Beobachtet der Halter das Ausbleiben des Sommerfells muss immer künstlich nachgeholfen werden. Statt eines sinnlosen Kahlschlages sollte jedoch auch hier mit Verstand gekürzt und getrimmt werden, um dem Hund eine wirklich dauerhafte Erleichterung zu ermöglichen.

Achtung heiße Pfoten
Neben dem Fell sollte an den heißen Tagen übrigens auch vermehrt an die Hundepfoten gedacht werden. Bei sommerlichen Temperaturen von 25 Grad erhitzt sich der Asphalt auf den Gehsteigen sehr schnell auf heiße 50 Grad und höher. Wer hier nicht aufpasst, wo er seinen vierbeinigen Freund laufen lässt, riskiert gemeine Pfoten-Verbrennungen. Der schnellste Test für die Bodentemperatur ist es einmal selber den Handballen ein paar Sekunden auf den Asphalt zu drücken- wird es hier schmerzhaft heiß, kann nachempfunden werden, wie es dem Hund an seinen Pfoten ergehen muss.
Um unnötiges Leiden für seinen Hund zu vermeiden, sollte an heißen Tagen auf Rasenflächen oder Schattenwege ausgewichen werden. Besonders empfindlichen Vierbeinern kann mit robusten Pfotenschuhen geholfen werden. Im Sommer muss zudem vermehrt auch auf Getreidegrannen oder Grassamen geachtet werden, da diese, bei unzureichender Pfotenpflege, in die Haut einwachsen können. Die Oberfläche der Ballen sollte glatt und weich sein. Wenn die Haut hier rissig und trocken ist, können die Pfoten mit Melkfett oder einer anderen fettigen Creme ohne Parfüm behandelt werden.

geschrieben von Hanna Stephan
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