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28.06.16

Pepe O sole mio – in Love with Clara

Wie mir aus gesicherter Quelle zu Ohren gekommen ist, befinden wir alle uns auf einer Art gigantischer blauer Biokugel, der Erde, die mit einer geradezu irrsinnigen Geschwindigkeit um eine Art Feuerball kreist. Nun, ich persönlich bin nicht sicher, ob ich all das glauben kann aber eines weiß ich- es kann heiß werden.

 

Der (natürlich) beste Hundehalter aller Zeiten (den ich stets glauben lasse, der Boss zu sein und ihn daher auch so nenne) und meine Wenigkeit leben in einer Gegend, die eher im Norden dieser komischen Kugel liegt. Und ganz in der Nähe gibt es einen gar nicht einmal so schlechten Strand. Aber dazu später mehr.

 

Die meiste Zeit im Jahr ist es bei uns eher kühl um nicht zu sagen kalt. Aber das stört uns Pelzträger eigentlich weniger als unsere zu jener Zeit oft schlecht gelaunten (und ständig erkälteten) Zweibeiner.  Dann aber kommt irgendwann eine Zeit, die sie Sommer nennen. Da ist alles anders, es ist warm und die Zweibeiner sind weniger erkältet und oft besserer Laune (als im Winter) und um so geschäftiger. Sie scheinen nämlich innerhalb kürzester Zeit alles nachholen zu wollen was sie offensichtlich meinen, während der langen, kalten (und im Übrigen dunklen) Jahreszeit verpasst zu haben. Bei uns Vierbeinern ist es übrigens wie so oft einfacher, wir nennen diese Zeit schlicht Fellwechsel. Boss konnte ich in diesem Zusammenhang den Begriff Urlaubsstress verwenden hören. Ein ziemlicher Widerspruch wie ich finde aber so sind die Menschen. Immer etwas kompliziert und voller Rätsel. Schließlich haben sie dafür aber auch einige Vorzüge (ein gut bestückter Napf gehört zweifelsohne dazu). Auf die intensive Zeit der Vorbereitung und –freude folgt dann endlich jene, in der sie tatsächlich praktisch nichts zu tun haben oder wenigstens so tun. Die nennen sie dann Urlaub. Und einige von ihnen sind nett und nehmen uns mit (in den Urlaub), der auch für unsereins mit einem nicht unerheblichen Spaßfaktor einher gehen kann…..

 

Es war wieder einmal so weit (was ich daran merkte, dass Herrchen in freudige Erregtheit verfiel und seinen Tagesrucksack, mein Urlaubsgeschirr und einige weitere Utensilien zu suchen begann, obwohl diese sich auch in diesem Jahr wie immer am selben Ort befanden). Ich frage mich in solchen Momenten immer wieder ernsthaft, ob diese zweifelsohne liebenswerte Spezies wirklich das Prädikat „überlegen“ führen sollte. Es sollte wie so oft an den eingangs schon erwähnten Strand gehen, zu dem offensichtlich auch ein ganzes Meer gehört. Sagt man. Ich persönlich konnte außer Sand und Wasser nicht viel davon erkennen.

 

Der Tag der Rettung Claras

An einem wunderschönen Sommertag startete man also endlich inklusive meiner Wenigkeit zu einem Ausflug an besagten Strand an der Küste Nordfrieslands, der so groß ist, dass man mit dem Auto über den Deich auf den Sand fährt und den Wagen dort abstellt (und darauf hofft, ihn im Falle einer wie sie es nennen Springflut auch nach Beendigung des Strandtages noch dort vorzufinden). Der Parkticketverkäufer war ein typischer Nordfriese, von denen nicht zu Unrecht behauptet wird, dass die Begrüßung in der Regel aus einem knappen „Moin“ besteht, das bei extremer Sympathie unter Umständen noch von einem leichten Kopfnicken begleitet wird. Wir bekamen nur das „Moin“ nebst einem (Boss sprach von saftigem) Parkticket. Mir lief beim dem Wort allein schon das Wasser im Maul zusammen aber offensichtlich bedeutet saftig bei Euch etwas anderes.

Endlich erreichten wir den Strand und ich konnte es kaum abwarten, Wasserratte die ich bin, mich in die kühlenden Wogen zu stürzen. Ich tat dies auch gleich, was mir allerdings einbrachte, die restliche Zeit (bis alles ausgepackt und aufgebaut war) zwar im Schatten aber auch angeleint am Sonnenschirm zu verbringen…..Ein zweifelhafter Start aber immerhin hatte meine Wenigkeit sein erstes Bad schon genossen.

Ich muss allerdings zur Entlastung meiner Zweibeiner gestehen, dass ich wohl ein wenig voreilig gewesen war. Mein aufgebrachtes Herrchen und seine Begleiter hörte ich in diesem Zusammenhang äußerst erregt von etwas reden, das sie ablaufendes Wasser nannten und das wohl auch und gerade für uns Vierbeiner eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt. Bei mir lief aufgrund der lästigen Leine allerdings erst mal gar nichts mehr. Weder ab, noch sonstwohin.

Gelangweilt vertrieb ich mir nunmehr also die Zeit in der Nähe des Schirms, an den ich –natürlich vollkommen zu Unrecht- gefesselt worden war, indem ich meine Nase in eine der Strandtaschen steckte, die sich ebenfalls unter dem Schirm geparkt befand. Was soll ich sagen: zu meiner großen (und äußerst angenehmen) Überraschung enthielt sie (und das auf Nasenhöhe) Käsesandwiches. Ich ging (wie sich im Anschluss herausstellen sollte leider fälschlicherweise) davon aus, dass es sich hierbei um eine eigens für mich mitgeführte Mahlzeit handelte….Und schlug zu.

Irgendetwas sagte mir später, dass mein unkontrollierbarer (immerhin gesunder) Appetit nicht gerade dazu beitrug, die allgemeine („wer soll denn bitte die von Deinem Hund angenagten Dinger jetzt noch essen?“) Stimmung auf der Höhe zu halten aber immerhin, mittlerweile hatte ich gebadet und gegessen und konnte mich nunmehr ganz meinem ersten Nickerchen widmen (dabei konnte man ja nun wirklich nichts mehr falsch machen), während sich die Zweibeiner ohnehin schon schlecht gelaunt in unsägliche Aktivitäten verstrickten, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte…Es wurde eine Art unvollständiges Zelt aufgebaut, Heringe (die aber nicht nach solchen rochen) in den Sand getrieben, nur, um gleich von der ersten Windböhe wieder heraus gerissen zu werden, Sandwälle wurden wozu auch immer aufgeschüttet (Das Resultat nannten sie erstaunlicherweise Burg) und die Laune sank weiter, weil ein großer, herumstreunender Artgenosse meiner Spezies besagte Burg durch ausgiebiges „Kennzeichnen“ zu seinem Revier erklärte. Ich fand das ziemlich anmaßend, war im Nachhinein allerdings froh, mich diesbezüglich zurückgehalten (auch von der Leine, die meinen Radius bedauerlicherweise erheblich einschränkte) zu haben. Der Schuh, den Tante Jutta nach dem vorübergehend dreibeinigen Kollegen warf, traf diesen zwar nicht direkt, allerdings muss der Wurf dennoch beachtlich gewesen sein, denn er (der Schuh)  fand sich trotz intensiver Suche und sehr zum Ärger von Tante Jutta nicht wieder an.

 

Irgendwann schien sich die Laune der Zweibeiner schließlich trotz aller Widrigkeiten wieder zu bessern und wir gingen (diesmal gemeinsam) schwimmen, wobei ich mich wieder einmal von den Vorzügen („Deinem Hund machen die blöden Feuerquallen ja offensichtlich gar nichts aus“) eines natürlichen Pelzes überzeugen konnte. Keine Ahnung was Feuerquallen sind aber wenigstens Tante Mechthild schien sie überhaupt nicht zu mögen („mir reicht’s jetzt, ich geh’ raus“). Gut für mich denn ich war etwas müde, sah überglücklich meinem zweiten Nachmittagsnickerchen entgegen und konnte mich schließlich erneut unter den Schirm auf das frisch ausgebreitete Handtuch von Tante Jutta legen, was sich (macht man den alles falsch?) später als weiterer Fauxpas herausstellen sollte („Herrjeh, hier sind Hundehaare auf meinem Handtuch!!“). Mein unwiderstehlicher Charme führt erfreulicherweise immer wieder dazu, dass die („na ja er hat ja auch sonst kein Plätzchen, Du musst ihm halt auch mal eine Hundedecke einpacken“)  mir gegenüber getrübte Laune nicht lange anhält. Tante Jutta vertrieb sich die verbliebene Zeit unter dem Schirm erstaunlicherweise mit heftigem Kratzen, was meine Ruhe doch ein wenig störte. Da spreche einer nochmal von räudigen Hunden….

 

Irgendwann endet auch der wenigstens für mich („an diesen Strand fahren wir nicht mehr“) schönste Tag und es sollte zurück in Richtung Auto gehen. Vorher sollte meine Wenigkeit sich allerdings noch unsterblich verlieben (und ein Leben retten).

 

Während ich mich zunächst einer (wie gesagt, manchmal sind sie doch ganz nett) eigens für mich neben den Käsebrötchen mitgeführten Kaustange und schließlich meinem letzten ausgiebigen Nickerchen gewidmet hatte, hatten meine Zweibeiner emsig alles wieder eingepackt („Vorhin waren es noch 20 Heringe und wo zum „….“ (sie scheinen Tiere wirklich zu mögen) ist denn mein Top??“) und wir gingen gerade in Richtung unseres Autos, als ich etwas hörte. Es war ein leises Weinen und Winseln, das aus einem der anderen geparkten und offensichtlich fahrerlosen Autos kam. Alle Fenster und Türen waren verschlossen, lediglich das Schiebedach war einen Spalt weit geöffnet. Ich riss mich los und rannte ohne auf die Rufe von Boss und seiner Truppe („Dein Hund macht sich gerade selbstständig“) zu achten. Bei besagtem Auto angekommen gewahrte meine unglaublich feine Nase einen unwiderstehlichen, lieblichen Geruch, der neben dem Weinen ebenfalls aus Richtung des besagten Fahrzeuges zu kommen schien. Ich näherte mich, sah zunächst eine beschlagene Scheibe und dann- Sie! Mein Herz schlug höher, hatte ich doch niemals zuvor eine so zauberhafte Cockerdame erblickt. Bedauerlicherweise schien Clara (so hieß sie, wie wir später herausfinden sollten) äußerst gestresst zu sein und unter der augenscheinlich enormen Hitze im Auto zu leiden. Was (außer mich verlieben) konnte ich tun? Das, was wir immer in solchen Situationen tun- bellen. Ich bellte was das Zeug hielt und sorgte dafür, dass meine Zweibeiner im Nu vor dem Wagen standen und endlich erblickten, was ich sah…….

Clara ging es wie bereits erwähnt im Auto nicht besonders gut obwohl die Sonne bereits auf dem Weg abwärts war und mein Boss schien zunehmend besorgt. Als sich auch nach weiteren 5 Minuten kein zum Fahrzeug gehöriger Zweibeiner zeigte, reagierte (Hut ab) Tante Mechthild. Mit den Worten „ich muss es tun“, nahm sie einen Stein, mit dessen Hilfe sie eine Scheibe des Autos einschlug und befreite die leidende Clara. Oh welch ein Glück. Ich sprang freudig an Tante Mechthild hoch und nachdem Clara aus dem Auto befreit worden war auch an ihr. Sie schien allerdings andere Sorgen als mich (dabei hatte sie ihr Leben doch mir zu verdanken) zu haben. Kurzerhand Zog Boss seine Wasserreserven aus der Kühltasche und schenkte Clara ein. Sie trank und trank und schielte dabei (endlich) zunehmend (was für Augen) in meine Richtung. Dann geschah, was ich kaum mehr zu erhoffen  gewagt hatte- wir nahmen alle zusammen ein weiteres Bad. Behutsam trug Boss Clara ins seichte Wasser um ihr Abkühlung zu verschaffen.

 

Tante Mechthild hatte sich in der Zwischenzeit wenigstens verbal und meiner Meinung nach zu Recht auf das mittlerweile zu seinem Auto zurückgekehrte Frauchen von Clara gestürzt, wobei sich herausstellen sollte, dass letzteres eigentlich nur kurz etwas Wasser (für Clara) hatte kaufen wollen, sich dabei allerdings vertreten und den Knöchel verstaucht hatte , was dazu führte, dass aus 5 Minuten 15 wurden. Erfreulich für alle war, dass Claras Frauchen uns in Tränen aufgelöst dafür dankte, ihre Autoscheibe zertrümmert und Clara vor einem Hitzeschlag oder schlimmerem bewahrt zu haben. Auch Clara schien ihr zu verzeihen. Boss konnte das nicht sofort und hielt Claras immer noch zwischen Schock und Freude schwankendem Frauchen einen langen Vortrag darüber, dass (gut zuhören!) unsereins niemals, auch nicht für kürzeste Zeit allein im Auto gelassen werden sollte. Neben Hitze (im Sommer auch bei bewölktem Himmel) und Kälte im Winter bestehen Gefahren, die man manchmal kaum erahnen kann, wozu auch der Diebstahl unsereins (wir sind eben einfach so unwiderstehlich) gehört. Die Moral von der Geschicht’ lautet also: da nicht immer ein aufmerksamer, äußerst liebenswerter, gutaussehender und tapferer Borderterrierrüde in der Nähe ist dürft ihr uns nicht in Eure Autos sperren. Nicht im Sommer und am besten einfach nie. Fahrten zur Hundewiese, in den Park oder zu sonstigen Vergnügungseinrichtungen (für Hunde) ausgenommen.

 

Die zweite Moral von der Geschicht lautet übrigens: wenn Zweibeiner gemeinsam und ausgiebig die erfolgreiche Rettung der schönsten Cockerdame dieser blauen Kugel mit Wein begießen, sollten sie sich rechtzeitig darüber Gedanken machen, wer am Ende die Autos zurück über den Deich und die illustre Gesellschaft nach Hause fährt. Als der Abschleppwagen (mittlerweile lief das Wasser auf) und die Taxis kamen, döste ich überglücklich und zufrieden Seite an Seite mit Clara im Schatten einer (Plastik)palme, die vor dem Campingmobil einer Hippiegruppe aufragte (dabei fielen für uns auch noch sage und schreibe zwei Grillwürstchen ab) und konnte aus einem Augenwinkel gerade noch den großen Rüden am Horizont erkennen, der zuvor unsere Strandburg markiert hatte und der nunmehr gemächlich (mit Tante Juttas Schuh im Mund) ebenfalls nach Hause trottete….

 

geschrieben von Dr. Martin Bucksch
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