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20.10.15

Hautknoten beim Hund- tödliche Gefahr oder harmlose „Warzen“?

Die Feinnadelbiopsie/zytologische Untersuchung als Alternative zum Skalpell. Sie gehören sicher zu den gängigsten und häufigsten Erkrankungen, mit denen ein Hundehalter im Laufe des (Hunde)lebens irgendwann fast zwangsläufig einmal konfrontiert wird: Knoten oder „Zubildungen“ auf, in oder unter der Haut. Sie werden leicht wahrgenommen, da sie entweder mit bloßem Auge zu sehen oder wenigstens deutlich zu ertasten sind. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie mit einem Knoten zu verfahren und wie dringlich die Sache ist. Aus medizinischer Sicht kann jeder Knoten potentiell für einen bösartigen Tumor („Krebs“) oder auch eine vollkommen „harmlose“ Veränderung stehen.  Der Begriff Tumor bezeichnet im Übrigen lediglich eine Masse („Tumor“ aus dem Lateinischen bedeutet Schwellung). Für den Tierarzt nicht unwichtige Informationen können sein: seit wann wurde die Veränderung bemerkt? Wie hat sie sich (Wachstumsgeschwindigkeit, Art und äußeres Erscheinungsbild) seitdem verändert? Ist der Veränderung ein besonderes Ereignis voraus gegangen (z.B. Zeckenbiss, eine Injektion oder auch ein Trauma)? Interessiert sich der Hund für die Veränderung (Kratzen, Belecken etc.)?

Je nach Alter und auch Rasse des Hundes sind bestimmte Veränderungen unter Umständen wahrscheinlicher als andere.

Wichtig jedoch: der Tierarzt kann durch Tasten oder durch die visuelle Beurteilung einer Zubildung zwar oftmals eine Verdachtsdiagnose stellen. Eine exakte Typisierung jedoch (und somit Diagnose) ist trotzdem grundsätzlich und unabhängig vom Erscheinungsbild der Zubildung NICHT möglich. Einige Mythen halten sich dennoch hartnäckig (Knoten ist „verschiebbar“, weich oder „abgekapselt“ und daher harmlos). Es gibt also keine „Blick-„ oder „Tast“diagnose!

Es gilt also im Einzelfall zu entscheiden, mithilfe welcher weiteren Untersuchung(en) nun die genaue Bestimmung des Gewebetyps (Art des Tumors) und schließlich eine genaue Diagnose erfolgen kann oder zu erfolgen hat.

Die genaueste Untersuchung erfolgt mithilfe der mikroskopischen Untersuchung von Gewebeschnitten durch einen Pathologen. Hierfür bedarf es jedoch der chirurgischen Entfernung der Masse, was beim Hund in aller Regel eine Allgemeinanästhesie („Vollnarkose“) impliziert. Hier stellt sich natürlich und -mit unter zurecht- die Frage der Zweck- und Verhältnismäßigkeit. Handelt es sich um einen noch sehr jungen oder auch einen schon sehr alten –möglicherweise anderweitig erkrankten (z.B. Herzerkrankungen)- Hund oder eine Rasse, bei dem/der ein erhöhtes Narkoserisiko bestehen kann, ist die Entscheidung nicht immer leicht. Es wäre auch falsch, den Kostenfaktor unerwähnt zu lassen, den eine chirurgische Entfernung nun einmal immer mit sich bringt und nicht jeder verfügt nun einmal über die nötigen Mittel.

Einfach „abwarten und beobachten“ sollte nur in wenigen Fällen eine Option sein, da wie bereits erwähnt stets die Möglichkeit besteht, dass ein möglicherweise „bösartiger“ Tumor im Körper streut („metastasiert“) oder auch weiter wächst und schließlich womöglich eine Größe erreicht, die ein chirurgisches Vorgehen aus Raumgründen erschwert oder in einigen Fällen gar verhindert. Ausgenommen sind möglicherweise bestimmte Knoten bei Junghunden sowie Knoten oder Knötchen (Durchmesser < 5 mm), die im direkten und nachweislichen Zusammenhang mit z.B. einem Trauma, einer Injektion oder einem Zeckenbiss stehen. In diesen Fällen kann unter Umständen, wenngleich ohne eine medizinische „Gewähr“ die Entscheidung zugunsten einer kurzen Beobachtungszeit der Veränderung erfolgen. Tatsächlich gibt es, meistens bei Jungtieren  Hautknoten, die sich spontan (i.d.R. einige Wochen bis Monate) zurückbilden und verschwinden (Viruspapillome, „Knopftumore“).

Auf der anderen Seite und aus Verständlichen Gründen besteht häufig der Wunsch oder (Alter, Vorerkrankungen etc.) die Notwendigkeit, dem Patienten eine Allgemeinanästhesie nicht oder „nicht mehr“ zumuten zu wollen und daher der Wunsch, zumindest einer annähernd gesicherten Diagnose auch ohne den Königsweg (chirurgische Entfernung mit anschließender histopathologischen Klassifizierung des  Knotens) zu bekommen.

Nun, hier bietet sich in den meisten Fällen eine Alternative an. Eine Möglichkeit, hilfreiche Informationen über Art und Natur eines Knotens zu gewinnen ist die so genannte Feinnadelbiopsie mit anschließender mikroskopischer („zytologischer“) Untersuchung.
In diesem Verfahren wird nach einer lokalen Betäubung (Lokalanästhesie) die Veränderung mithilfe einer Injektionskanüle punktiert, um auf diese Weise eine kleine (Zell)probe zu gewinnen, die anschließend aufbereitet, gefärbt und mikroskopisch (dies kann durch einen entsprechend spezialisierten Tierarzt selbst erfolgen oder durch einen Zytologen, an den das gewonnene Präparat geschickt wird) untersucht wird („zytologische“ Untersuchung bedeutet die Untersuchung einzelner Zellen).

Der große Vorteil dieser Untersuchungsmethode besteht in den geringeren Kosten, vor allem aber im geringeren medizinischen (und finanziellen) „Aufwand“ (In der Regel ist hierfür keine Allgemeinanästhesie erforderlich).

Der Korrektheit halber sei jedoch darauf hin gewiesen, dass es sich bei dieser Untersuchungsmethode im wahrsten Sinne des Wortes um die Untersuchung einer „Stichprobe“ handelt. Mit anderen Worten erfolgt die Diagnose durch die Untersuchung einer kleinen Zellprobe und der Erfolg hängt wesentlich von der exakten Durchführung der Entnahme sowie der Aussagekraft der gewonnen Probe  ab.

Dem Tierarzt gestattet ein „repräsentatives“ Ergebnis oftmals jedoch, eine mehr oder weniger konkrete Verdachtsdiagnose oder auch Diagnose zu stellen, die bestimmte Entscheidungen (Z.B. Belassen des Knotens zur Beobachtung oder die möglichst schnelle chirurgische Entfernung etc.) nach sich ziehen oder erleichtern wird. Im übrigen kann das Ergebnis der Untersuchung bei bestimmten Knoten („Mastzelltumor“) Hinweise liefern, die in bestimmtes chirurgisches Vorgehen (weiträumige Entfernung des Knotens) zwingend nach sich ziehen und somit lebensrettend sein können.

Besonderheit:
Bei einigen Veränderungen ist Vorsicht geboten und die Methode Feinnadelbiopsie/zytologische Untersuchung eher nicht anzuwenden. Dies kann z.B. auf Knoten im Gesäuge un- oder spät-kastrierter Hündinnen, sowie einige Veränderungen in der Maulhöhle oder auch im Bereich der Zehen/Pfoten betreffen. Hier ist in der Regel schnelles und entschiedenes Handeln (Chirurgische Entfernung und anschließende histopathologische Untersuchung der Veränderungen) zumindest dringend zu empfehlen, um keine kostbare und mitunter lebensrettende Zeit zu verlieren.

Fazit: Eine präzise Diagnose durch Abtasten oder die bloße visuelle Untersuchung eines Hautknotens gibt es nicht. Die Feinnadelbiopsie stellt eine im Vergleich zur chirugischen schnelle, kostengünstige oft äußerst indikative Alternative/Methode dar, wenn es um die Diagnose/Untersuchung von Hautknoten beim Hund geht. Die Entscheidung zugunsten dieser Methode sollte im Einzelfall und nach Abwägung verschiedener individueller Faktoren erfolgen.

Dr. Martin Bucksch
Fachtierarzt für Kleintiere, Veterinärdermatologe

geschrieben von Dr. Martin Bucksch