Terra Canis Telefon Terra Canis Facebook
Terra Canis Up

9.05.17

Doggy’s next Top Model

Dem geneigten Leser bin ich ohne Zweifel bereits bekannt. Als Tierarzhund. Als Praxishund. Als -natürlich- zauberhaftester und bestechendster aller Terrier (ein Borderterrier namens Pepe um genau zu sein). Die wenigsten von Ihnen wissen allerdings wahrscheinlich, dass ich so ganz nebenher eine mehr oder weniger zweite Karriere als Model habe. Dies bietet sich natürlich an bei meinem Aussehen werden Sie jetzt sagen und Sie haben natürlich vollkommen Recht. Allerdings hat auch mein Herrchen, „Boss“ einen zugegebenermaßen nicht unerheblichen Teil zu dieser meiner nebenberuflichen Tätigkeit beigetragen, versucht er sich doch seit Jahren als Autor von Sachbüchern und als und Gast bei verschiedenen Tv-Auftritten. Da es sich bei den Themen meist um Vierbeiner und speziell um Hunde handelt, kommt meine Wenigkeit in’s Spiel und- a star was born…

Dabei begann zunächst alles auf eine höchst unerfreuliche Art und Weise. Boss war angetragen worden, ein Buch über Hundeernährung zu schreiben, was er rasch und hoch motiviert anging. So groß war der Elan, dass ich im Nu zum Test(fr)esser und weil’s so schön war auch gleich zum Fotomodel für besagtes Buchprojekt befördert wurde. Ersteres hatte durchaus seine Vorzüge, kam ich doch nunmehr in der Genuss verschiedenster, sowohl selbst „zubereiteter“ (zunächst handelte es sich um äußerst fragliche „Kompositionen“), als auch diverser Fertiggerichte (zum Austesten, Boss war zu jener Zeit noch ein relativer Neuling was die praktischen Aspekte der Hundeernährung anging). Zweiteres grenzte jedoch geradezu an einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Ok, wenigstens gegen alle Regeln eines friedvollen und harmonischen Miteinanders von Zwei- und Vierbeinern. Zum Äußersten kam es, als Boss sich einmal wieder als Fotograf betätigen wollte. Um genau zu sein als er sich anschickte, verschiedene Hundefutter anschaulich drapiert und angerichtet in verschiedenen Fressbehältnissen abzulichten. Sie werden sagen, da sei doch nichts dabei und das fand ich ja zunächst auch. Der Haken an der Geschichte jedoch war der, dass ich zu Fotozwecken ruhig und still mitten zwischen den prall gefüllten Näpfen zu sitzen hatte bis die Fotos im Kasten waren. Dies dauerte eine gefühlte Ewigkeit und erschwerend kam hinzu, dass ich die Anweisungen von Boss kaum verstand, da sie vom Knurren meines Magens hörbar überlagert wurden.

 

Und falls Sie je etwas vom guten alten Pawlow gehört haben, beziehungsweise dem nach ihm benannten, berühmten  (‚Pawlow’schen“) Reflex, (bei dem gewisse Reize eine bestimmte Reaktion, in diesem Fall einen intensiven Speichelfluss auslösen) wissen Sie, was ich durchmachte. Die Harmonie zwischen mir und Boss war dahin („jetzt muss ich hier schon wieder wischen, so wird das nie etwas“) oder wenigstens erheblich beeinträchtigt („Du musst Dir Deine Belohnung schon erst noch verdienen“) und auch meine Laune war sichtlich auf dem Tiefpunkt. Dass die Fotos trotzdem etwas geworden sind ist ausschließlich meiner außerordentlichen Professionalität geschuldet.

 

Ich selbst betrachte mich als ausgeprägte Wasserratte. Nicht zuletzt deshalb ging es für mich mit Boss oder auch einigen seiner hundeliebenden Bekannten („darf ich ihn mir mal wieder ausleihen?“) regelmäßig an’s Wasser, sprich zu nahegelegenen Seen, an die wunderschöne hamburger Außenalster oder auch in’s nahgelegene Naturschutzgebiet, ein tausende Jahre altes Birkenmoor. In Zeiten sozialer Netzwerke und kleiner  handlicher Geräte, die unsere Zweibeiner mittlerweile kaum noch aus der Hand legen und die so ziemlich alles können (auch fotografieren) war es den Bekannten von Boss ein natürliches und überaus begreifliches Bedürfnis, sich mit mir oder –besser- nur meine Wenigkeit in allen erdenklichen Posen abzulichten um (davon bin ich fest überzeugt) anschließend mit mir auftrumpfen und bei ihren Freunden angeben zu können. Mehrfach konnte ich mich hierbei davon überzeugen, dass ich offensichtlich nicht die einzige Wasserratte bin. So begab sich eine Bekannte von Boss spontan und ganz plötzlich (wenn auch etwas unelegant) zu einem Kurzbad in die wunderschöne Alster bei dem Versuch, auf einem Steg sich rückwärts bewegend meine Wenigkeit in einen optimalen Winkel für ein paar Schnappschüsse zu bekommen. Etwas befremdlich erschienen ihre hektischen und rudernden Bewegungen sowie die im Anschluss an das spontane Badevergnügen geäußerten Verbalien, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben möchte.

 

Des Menschen Handeln kann mitunter schon recht sonderbar anmuten und wie ich immer sage Zweifel darüber aufkommen lassen, wer hier eigentlich die höher entwickelte Spezies ist…..Die meisten von ihnen scheinen sich jedoch in der Rolle der überlegenen Spezies zu gefallen, so dass wir sie –ein Zeichen wahrer Überlegenheit- in dem Glauben belassen.

 

Besagte,  ansonsten reizende und überaus liebenswerte Bekannte schien im Übrigen gar derartig wasserbegeistert, dass sie bei einer anderen Gelegenheit die gleiche Prozedur auch im schönen Birkenmoor wiederholte. Dort ist das Wasser wohlgemerkt jedoch weniger klar und (Moor bleibt Moor) der Untergrund weich und schlammig. Dies führte dazu, dass „Hundeübergabi“ wie wir sie damals liebevoll nannten im Anschluss an die Abkühlung im Moor nicht nur ihre in’s Leere gerichteten verbalen Ausrutscher („verfl…….ich hätte es wissen müssen zum……“) wiederholte sondern auch große Probleme dabei zeigte, ein halbwegs normales Äußeres wiederzuerlangen. Bedauerlicherweise ließen sich die Morastflecken auch kaum jemals mehr von ihren Autositzen entfernen. Da soll noch jemand sagen, unsereins wäre schmutzig. Sie hätten Frau G. sehen sollen (auch wenn Frau G. vermutlich nicht von ihnen hätte gesehen werden wollen). Auch dass meine feine Nase ihren „neuen“ Duft als besonders attraktiv empfand schien meine Freundin kaum zu interessieren.

 

Aber es geht noch weiter. Ich kam (jawohl!) bald auch ins Fernsehen. Und aus gut informierten Kreisen wurde mir zugetragen, dass meine Auftritte hier dazu führten, dass mindestens dutzende schmachtender Hundedamen regelrecht an den Tv-Bildschirmen ihrer Frauchen und Herrchen klebten. Keine Fake-news, ich schwöre!

 

Einmal gab es einen Dreh in der Praxis. Im Anschluss sollte bei schönem Wetter draußen weiter gedreht werden und da Boss andere Hunde gesund zu behandeln hatte, beschloss man, dass die Regisseurin des geplanten Beitrags mich (unverzichtbar) zum Außendreh mit in den Park nehmen solle um mich anschließend wieder in der Praxis abzuliefern. Dies tat sie dann auch, allerdings äußerst ungehalten, mit hochrotem Kopf (der wie ich fand wie die Faust auf’s Auge zu ihrem eleganten dunkelblauen Kostüm passte) und den an meinen Boss gerichteten Worten „HERR Dr. B…… wie KONNTE Ihr kleiner K……mich nur derart blamieren??!“

Was geschehen war? Zunächst zu meiner Entlastung: ich kann wirklich nichts dafür. Frau K. hatte im Anschluss an den (natürlich äußerst) erfolgreichen Dreh beschlossen, wie die meisten meiner Betreuer mit meiner Wenigkeit noch ein bisschen angeben und sich öffentlichkeitswirksam mit mir in ein elegantes Café direkt am See zu platzieren. Im Eingangsbereich des Cafés überkam mich allerdings spontan ein dringendes, nur allzu „menschliches“ Bedürfnis und die Erkenntnis, dass wir vermutlich eine ganze Weile im Café sitzen würden. Nun, ein- zwei halbe (elegante) Drehungen, ab in die Hocke und schon war ich äußerst erleichtert. Letzteres konnten man von der Regisseurin, Frau K. kaum behaupten (dabei waren nunmehr doch sämtliche Blicke auf sie gerichtet..). Es schien, als suche sie verzweifelt irgendetwas in ihren Taschen (allerdings ohne Erfolg). Einige der Cafébesucher schienen sich mittlerweile auch sehr angeregt mit ihr zu unterhalten, auch wenn ich den Wortlaut trotz guter Lautstärke nicht verstand……….

Wir verließen zügig (eben wollten wir uns doch noch setzen) das Café und ich wurde zu meinem Bedauern (hatte ich mich doch extra vorher erleichtert) direkt zurück in die Praxis gebracht. Den Rest der Geschichte kennen Sie ja bereits….

 

Ich habe mit meiner besten (Hunde)freundnin und Modelkollegin Claudia Schnüffer über den Vorfall gesprochen aber die konnte sich Frau K’s sonderbares Verhalten auch nicht wirklich erklären…..

 

Es sind bei aller Liebe halt nur Menschen……….

geschrieben von Dr. Martin Bucksch
0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*