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1.11.15

Alle Jahre wieder- Pepe im vierbeinigen Weihnachtsstress

Alle Jahre wieder- Pepe im vierbeinigen Weihnachtsstress

Von Cristian B.

 

Mitunter hat man es wie bereits erwähnt nicht leicht als „Tierarzthund“. Das tägliche Leid meiner Kumpels in der Praxis mitzubekommen ist schon anstrengend genug. Und dann wäre da auch noch Chef. Der nicht nur glaubt, letzteres (der Chef) zu sein (und ich lasse ihn aus praktischen Gründen in diesem Glauben), sondern der einem (mir besonders) aufgrund seines obligatorischen, zwanghaften, (vermutlich berufsbedingten) Helfersyndroms so manchen Spaß immer wieder gründlich vermasselt. Also da war zum Beispiel kürzlich dieses Eichhörnchen auf der anderen Straßenseite….. Chef hatte es (oder meinen Blick in die Richtung) zu meinem Bedauern ebenfalls bemerkt und einmal mehr nach meinem Halsband gegriffen und mich daran gehindert, dem Hörnchen auf seinen provozierenden Blick hin wie es sich gehört die Meinung zu geigen…..Zugegeben, da war eine Straße zwischen mir und Boss und dem Eichhörnchen. Aber verstehen die Menschen denn nicht, dass wir andere Prioritäten haben? Nun, in diesem Fall begnügte ich mich, den Nager durch ausgiebiges Bellen in die Flucht zu schlagen und Chef wirkte äußerst zufrieden, hatte er doch wieder einmal die vermeintliche Gefahr rechtzeitig gebannt.

 

Zur Verteidigung von Boss muss ich allerdings an dieser Stelle anfügen, dass er einige reale Gefahren im Hundeleben im Nachhinein betrachtet durchaus korrekt einzuschätzen vermag und mich bereits das ein oder andere Mal erfolgreich vor der einen oder anderen von bewahrt hat.

 

Aber kommen wir nun zum eigentlichen Thema meiner heutigen philosophischen Betrachtungen und aus aktuellem Anlass zm alljährlichen Weihnachtsfest unserer Vierbeiner. Natürlich bedeutet letzteres auch für uns Pelzträger ein in der Regel ausnahmslos komplettiertes Rudel, Feiertagslaune bei unseren Zweibeinern und dem entsprechend eine richtig coole Zeit auch für uns. Wusstet Ihr aber (es musste ja eins geben) zum Beispiel, dass Kakao und damit auch Schokolade für unsereins giftig sind? Chef behauptet immer, man könnte einen 10 Kg schweren Hund mit einer Tafel Bitterschokolade (wegen des hohen Kakaoanteils) bereits in den Hundehimmel befördern….Nicht auszudenken..Ich selbst habe mich unlängst entschieden, dieses Gerücht lieber nicht auf die Probe zu stellen und kann auch Euch nur den Rat geben, in diesem Fall die Fellnasen vom Bunten Teller zu lassen (was Euch auch so einige weitere Unannehmlichkeiten ersparen dürfte) und lieber brav auf das zu warten, was in Eurem Napf landet. Ok, die paar Kuchenkrümel unter dem Tisch…..Wenn’s keiner sieht….Hier lohnt sich mitunter geduldiges Warten denn wenigstens auf die liebe Großtante (in meinem Fall) Mechthild ist eigentlich immer Verlass und sie lässt sicher den einen oder anderen Krümel fallen, wenn sie wieder einmal ihre Brille vergessen hat. Alte Menschen und Kinder sind diesbezüglich übrigens unbedingt zu empfehlen, jedenfalls wenn es darum geht, zu wessen Füßen man sich -ganz beiläufig- niederlegt.

Zum Stöckchenwerfen eignen sie sich hingegen nur äußerst begrenzt, wie ich erleben durfte, als Tante Mechthild beim Versuch, ein solches zu werfen zuerst über den Stock (fragt nicht wie), dann über mich und schließlich in die Sandkiste der kleinen Zweibeiner des Hauses fiel. Ihr und ihrer künstlichen Hüfte ging es Gott sei dank anschließend den Umständen entsprechend gut (und auch ihre dritten Zähne fanden sich rasch wieder an) aber versucht hat sie es nie wieder. Die Kinder hatten an besagtem Tag übrigens nicht in die Sandkiste gedurft, da es die ganze Nacht zuvor geregnet hatte, wurden am Ende aber dafür dank Tante Mechthilds äußerem Erscheinungsbild nach dem Sturz (in die Kiste) reichlich auf andere Weise entschädigt. Tante Mechthild soll im weiteren Verlauf der Feierlichkeiten und nach einer ausgiebigen Dusche gar nach einem doppelten Grappa fröhlich geäußert haben, es habe sich bei der Aktion um ein „Probeliegen in der Kiste“ gehandelt, auch wenn ich im Gegensatz zu den geschockten Eltern nicht verstehe, was sie damit gemeint haben könnte.

Die Moral von der Geschicht: Zweibeiner verfügen über drei Gebisse und sind uns damit wenigstens in einem Punkt eindeutig überlegen.

 

Dann wäre da noch eine von Zweibeiners beliebtesten Spezialitäten zu Weihnachten. Sie nennen es Stollen. Letzterer ist mit Butter überzogen und daher für unsere Nase eine echte Herausforderung. Allerdings -und hier hapert es- enthalten Christstollen komische, kleine, zwar süße aber richtig runzelige Dinger. Sie nennen sie Rosinen (rosig sehen die aber nicht aus). Und diese „Ros“inen sind (Ihr ahnt es sicherlich bereits) ebenso wie ihre ungetrockneten Vorgänger, Weintrauben, leider ebenfalls giftig für unsere Wenigkeit…Ich persönlich hätte nichts dagegen, dem einfallslosen, aufdringlichen und mitunter äußerst heimtückischen Dackel (Paul) aus dem Nachbarhaus einmal ein paar dieser Rosinen….Aber lassen wir das, gehören wir im Grunde genommen doch einer eher friedliebenden Spezies an.

 

Äußerst bedauerlicher- (und vollkommen überflüssiger!)weise haben unsere Menschen zu allem Übel dann noch eine weitere und mir vollkommen schleierhafte Angewohnheit zu diesem ihren Weihnachtsfeste, nämlich die, besonders leckere Dinge umständlich einzeln einzupacken (um sie anschließend für den Verzehr mühsam wieder auspacken zu müssen) und -jetzt kommt der Hammer- sie derartig umhüllt an einen Baum und damit außerhalb unserer Reichweite (nicht unserer Nasen) zu hängen……Und dies will eine „überlegene“, hoch entwickelte Art sein…? Ich empfehle an dieser Stelle die Lektüre des Tierschutzparagraphen.

 

Gelingt es unsereins doch einmal, die aufwendigen Verpackungen „humaner“ Leckerlis zu knacken, machen wir im Gegensatz zu den Zweibeinern um das Auspacken der Einzelportionen kein weiteres Aufheben denn die oberste Regel für das Hundeüberleben lautet schließlich –runter damit, bevor es jemand (zweibeiniger Jemand) mitbekommt und auf die (unsinnige) Idee kommt, es sei gar nicht für uns bestimmt gewesen……

Leider bekommen die Zweibeiner es des Öfteren doch mit und dies kann von der Schelte einmal abgesehen sehr unangenehme Folgen haben. Sowohl bei Vergiftungsgefahr (Schokolade usw.), als auch bei drohenden Gefahren, die von abgeschluckten Fremdkörpern (Verpackungsmaterialien usw.) ausgehen heißt es ab zum erklärten Erzfeind- dem Veterinär!

Und wer will das schon? Dort gibt es verschiedene Optionen, vermeintliches Fremdmaterial wieder aus uns heraus zu bekommen (dabei haben wir es doch erst mühsam hineinbekommen), damit es nicht zu einem wie sie sagen Verschluss des Verdauungskanals (Darmverschluss) kommt, wenn diese wie gesagt ja ohnehin vollkommen überflüssigen Verpackungsmaterialien irgendwo „hängen“ bleiben…..

Eine dieser Optionen hat einen Namen, der schon schrecklich klingt aber die Konsequenzen sind wirklich ätzend: herbeigeführtes Erbrechen durch die Verabreichung eines Brechmittels….Ich kann Euch sagen, da wird es einem speiübel und es vergeht einem auch komplett die Lust, im Anschluss weiter an den weihnachtlichen Schlemmorgien der Zweibeiner teilzunehmen, deren Laune im Übrigen nach dem feiertäglichen Besuch beim notdiensthabendem Veterinär meist auch ziemlich hinüber ist.

 

Nur gut, dass die meisten Zweibeiner ihre Geschenke in der Regel bereits längere Zeit vor dem Feste (und nicht wie Chef panisch einen bis zwei Tage vorher) einkaufen denn der Besuch des tierärztlichen Notdienstes kann auch finanziell eher unangenehm sein, wie mir mein Beaglekumpel Johnny erzählte, der am so genannten heiligen Abend auf der Terrasse des familiären Anwesens ein paar „Meisenknödel“ (mit Netz) verputzt hatte, sich -keiner weiteren Schuld bewusst- dann allerdings gar nicht mehr so heilig fühlte und schließlich dem neuen Orienteppich (und Stolz der Hausherrin) ein paar zusätzliche und wie ich erfahren habe nie restlos zu beseitigende großflächige Farbakzente verpasste. Ihre offensichtlich kleingeistige (so schlimm sah der Teppich gar nicht aus) persönliche Revenche bestand schließlich aus einem längeren Aufenthalt in der Tierklinik (in der sich gar erst die Zahl der genossenen Meisenknödel -5!-herausstellen sollte…..).

 

Eine weitere vollkommen unverständliche Gepflogenheit der Zweibeiner am so genannten Weihnachten besteht darin, Kerzen oder elektronische Lichter ebenfalls an einen Baum zu stecken. Über Sinn und (eher) Unsinn dieser menschlichen Spielereien kann man sicher diskutieren. So oder so lauern aber auch dort ein paar für unsereins nicht zu unterschätzende Gefahren.

 

Da war zum Beispiel Buddy, der am 1. Weihnachtsfeiertag in Spiellaune auf unangenehme Weise herausfinden sollte, dass 1. die zum christlichen Feste in der Behausung seines Frauchens aufgestellte Fichte nicht wie allgemein angenommen fest im Boden verwurzelt war und 2. Das Licht, das er sich doch nur etwas genauer ansehen wollte durch eine Art Schnur mit noch vielen weiteren Lichtern verbunden war. Ihr ahnt es sicher schon. Buddy verfing sich mit seinen Fangzähnen im Kabel und riss beim Versuch, sich der Situation schnellst möglich zu entziehen den offensichtlich und zu seiner großen Überraschung nur ganz lose am Untergrund verankerten Baum um. Sehr zur Freude der Kinder der Familie, die endlich ein wenig Spaß an den sonst eher steifen familiären Feierlichkeiten zu haben begannen. Diesen (Spaß) schienen die großen Zweibeiner allerdings nicht teilen zu können (oder wollen) und der Abend endete für Buddy mit einigen „Pfuis“ und „aus“ und „böser-Hund-sowas-mach-man-doch-nicht“ und (viel schlimmer) einer gekürzten Leckerli-Ration…..Die Jungen der Zweibeiner erweisen sich eben doch nicht selten und im Gegensatz zu ihren Elterntieren als hoch entwickelt, wenigstens wenn es um den Spaßfaktor im Leben geht. Schließlich heißt es doch „Feier“tage…?

 

Eine ganz reizende mir persönlich gut bekannte Cockerdame namens Amy hatte im Gegensatz zu Buddy das Glück, dass die Kerzen am Baum ihrer Familie nicht durch Kabel verbunden waren. Allerdings hatte sie auf der anderen Seite auch das Pech, dass es sich in ihrem Fall wie die Zweibeiner sagen um „echte“ Kerzen handelte. Das Feuer gefährlich ist, wissen wir schon längst, was man allerdings offensichtlich von den Zweibeinern nicht behaupten kann, bei denen diesbezüglich noch erheblicher Lernbedarf (was sollen Kerzen an einem Baum?) zu bestehen scheint. Das Problem an jenem (Heilig)abend war auch gar nicht Amy, sondern Tante (in ihrem Fall) Hilde. Böse Zungen in der Familie nannten sie hinter vorgehaltenen Händen trotz ihres reiferen Alters (Tante Hilde ging stramm auf die 90 Menschenjahre zu) auch die „wilde Hilde“ und sie war es dann auch, die die Idee hatte, Amy langweile sich und müsse ein wenig gefordert werden. Offensichtlich langweilte sich eher Tante Hilde, die irgendwann im Laufe des eher ruhigen Abends einen Ball nahm und ihn mit einem gekonnten Wurf und den Worten „Amy, bring!“ in die Ecke des Zimmers direkt unter den Weihnachtsbaum warf. Wir Vierbeiner pflegen nun einmal, durch Schwanzwedeln unserer Freude Ausdruck zu verleihen und dies tat auch Amy ausgiebig, die unter dem Baum ihrer Aufgabe gerecht zu werden und den Ball zu finden versuchte. Bedauerlicherweise und zum Entsetzen der Anwesenden wedelte sie dabei ein wenig –mitten- in die Kerzen. Im Gegensatz zu Freilandbäumen schien die Tanne von Amys Familie ungewöhnlich trocken zu sein und fing rasch Feuer.

Und auch wenn sich unsere Zweibeiner zu Weihnachten allgemein offensichtlich an Feuer am Baum zu erfreuen scheinen, so erfreute sich an diesem Abend merkwürdigerweise niemand so richtig über das (nunmehr sogar erweiterte) Feuer am Baum –und in weiteren Teilen des Wohnzimmers. Verletzt wurde zwar niemand und es gab schließlich sogar noch weitere, offensichtlich allerdings ursprünglich nicht oder wenigstens nicht fest eingeplante „Überraschungs“gäste, über die sich außer Amy jedoch niemand so richtig zu freuen schien…..Die Zweibeiner sprachen in diesem Zusammenhang sichtlich erregt von „Feuerwehrleuten“. Vielleicht lag die mangelnde Freude am ungeplanten Besuch ja auch daran, dass diese Leute zwar bunt, aber doch nicht ganz den festlichen Kleidervorschriften entsprechend angemessen gekleidet waren. Zudem hielten sie offensichtlich Wasser in größeren Mengen für ein passendes Weihnachtsgeschenk.

 

So, genug aus dem Nähkästchen geplaudert. Ich wünsche Euch allen und Euren Zweibeinigen Rudelführern ein gesegnetes und zwischenfall-freies Weihnachtsfest. Und dann kommt ja auch noch Silvester…..

 

geschrieben von Dr. Martin Bucksch
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